Statement: Studie zur Nationalsozialistischen Vergangenheit Hilpoltsteins

Historische Aufarbeitung ist wichtig, um auch aktuelle Tendenzen zu verstehen und richtig einordnen zu können. Aus diesem Grund haben wir als Grüne Fraktion im Hilpoltsteiner Stadtrat einen Antrag gestellt, die nationalsozialistische Vergangenheit unserer Stadt in einer Studie aufzuarbeiten. Dies soll unter wissenschaftlicher Begleitung passieren in Zusammenarbeit mit den Schulen und weiteren Akteuren vor Ort.

Gerade auch die Zeitzeugengespräche, die wir nicht mehr lange führen werden können, sollen richtig dokumentiert und eingeordnet werden. Aus meiner Sicht längst überfällig, dieses Thema anzugehen. Zwar gab es immer wieder einzelne Projekte besonders auch durch die Schulen oder im Rahmen von Projektarbeiten, ich als Schüler wurde jedoch nie mit diesem Thema konfrontiert. Auch später habe ich – als wirklich interessierter Bewohner Hilpoltsteins – hier nur wenig erfahren bzw. habe selbst das Gespräch mit meiner „Großvater-Generation“ gesucht. Umso mehr freue ich mich, dass die Idee von allen Fraktionen im Stadtrat positiv aufgenommen wurde.

Unsere Verwaltung geht jetzt in die „Erkundung“, wie und mit welchen Kosten das Projekt angegangen werden kann. Aber schon jetzt erreichen mich Stimmen von Bürger*innen vor allem meines bzw. sogar jüngeren Alters, die hier großes Interesse zeigen.

Wer schon eine Lektüre in diese Richtung sucht, dem sei die Chronik Solar/Grauwinkl/Auhof von Michael Pfeiffer aus dem Jahr 2002 empfohlen, in der u.a. die Geschichte von Michael Harrer, damals Bürgermeister in Solar und durch die Nazis abgesetzt, berichtet wird:“… 1933 kamen SA-Leute aus Hilpoltstein mit Fackeln in den Hof, weckten den bereits schlafenden Bürgermeister auf und verlangten, er müssen unterschreiben, dass er freiwillig von seinem Amt zurücktrete. Auf die Frage, wie lange er Bedenkzeit habe, wurde ihm geantwortet: „14 Jahre haben Sie Zeit gehabt, jetzt gilt es nur noch, zu unterschreiben.“ Unter Gejohle und Geschrei zogen die SA-Leute ab. Sie begaben sich nach Mörlach, um mit dem dortigen Bürgermeister genauso zu verfahre.“ Später wurden die Reichstagswahlen in Solar manipuliert, sodass die einzigen beiden „Nein“-Stimmen Michael Harrer und seiner Frau zugeordnet werden konnten. Aus den Erinnerungen des Sohnes: „[…] Folge war, dass nachts der Hof voller SA-Leute aus Hilpoltstein war, die mit Steinen sämtliche Fenster des Wohnhauses eingeworfen haben. […] Außerdem bekamen wir Besuch vom Kreisleiter Minameyer, Hilpoltstein. Der Vater war auf dem Feld. Der Kreisleiter sagte, er wolle den Vater mitnehmen, verhaften und in das Konzentrationslager nach Dachau bringen. Nachdem aber die Mutter gesagt hat, „dann nehmen Sie auch gleich die Kinder mit, denn was soll ich ohne Mann und Vater machen“, verließ er das Haus und kam nicht mehr.“ (aus der Chronik Solar/Grauwinkl/Auhof)

Auch die Vergangenheit des damaligen Hilpoltsteiner Landrats Hilger – später Landrat im oberbayerischen Schongau – muss mit berichtet werden: „Wie jetzt bekannt wurde, soll Hilger, von 1940 bis 1945 Landrat in Hilpoltstein, mit daran beteiligt gewesen sein, dass 1942 ein widerspenstiger Bauer in das Konzentrationslager Dachau geschickt wurde, wo der Landwirt wenig später starb.“ (aus „Nazi-Vergangenheit holt Ex-Landrat ein“, Münchner Merkur vom 15.04.2009) Der Zeitungsartikel des Merkur nimmst dabei „Bezug auf ein Schreiben des damaligen Hilpoltsteiner Landrats Dr. Hilger an den Gendarmerieposten Heideck vom 12. Dezember 1941: „Das Arbeitsamt Hilpoltstein wird dem Wittmann nochmals eine Arbeitsstelle zuweisen. Wenn Wittmann nun wieder versuchen sollte, dieser Arbeit auf irgendeine Art und Weise aus dem Wege zu gehen, dann werde ich seine Einschaffung in ein Konzentrations- bzw. Arbeitslager veranlassen.“ Der Landwirt Wittmann wurde am 7. Februar 1942 verhaftet und am 27. März 1942 in das KZ nach Dachau gebracht, wo er am 18. September 1942 starb.“Gehen wir es also an. Im Stadtrat hoffe ich schon bald mit den anderen Mitgliedern über die Studien endgültig entscheiden zu können. Bei der Durchführung sollen alle eingeladen sein, die Studie zu unterstützen.

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