Hilpoltsteiner Zeitung: Bundestagswahl 2021: Felix Erbe macht das Rennen

ALLERSBERG – Der 34-jährige Grünen-Politiker aus Hilpoltstein wird in einer knappen Entscheidung als Bundestagskandidat nominiert. Die Grüne hatten bei der Bundeswahlkreiskonferenz tatsächlich noch die Wahl.

„Es könnte spannend werden“: So schwor Wahlleiter Bernhard Spachmüller, Schwabacher Grünen-Stadtrat, seine Partei auf die Wahl ihres Bundestagsdirektkandidaten für den Wahlkreis 246 in der Allersberger TSV-Rothseehalle ein. Zu Recht, denn die Kreisverbände Nürnberger Land und Roth waren mit je 66 Mitgliedern vertreten. Es gewann Felix Erbe mit 69:55 Stimmen gegen Lydia Hufmann-Bisping.

Nach der Auszählung erwies sich die Lauferin gegenüber ihrem Hilpoltsteiner Konkurrenten als faire Verliererin und gratulierte als erste. Wie knapp der Ausgang des Rennens war, verdeutlichen acht ungültige Stimmzettel. Viele Wahlberechtigte legten sich erst nach den abschließenden Worten der Kandidaten fest. Die Zeit für Präsentation und Stellungnahme zu mehreren Themen ließ keinen Raum für lange Ausführungen. Zehn Minuten gab es für die Rede, vier zum Beantworten von vier gezogenen Fragen aus den Reihen der Gäste.

Versorgung sicherstellen

Als erste trat Hufmann-Bisping ans Rednerpult, die nach wenigen Sätzen mit dem Ausfall des Mikrofons zurechtkommen musste. Umso beherzter trat sie nach der kleinen Panne auf.

Sie wolle sich dafür einsetzen, dass Medikamente wieder in Deutschland und Europa produziert werden, betonte sie. „Chancengleichheit für Frauen und andere Gruppen“ sei ihr sehr wichtig. Immerhin habe man es geschafft, mit einem Frauenwahlkampf in Lauf die CSU zu besiegen, so die 50-Jährige.

Zugleich läge ihr „eine zielgerichtete Klimapolitik“ am Herzen. Als promovierte Geologin könne sie im Kampf gegen die Erderwärmung ihr Fachwissen einbringen. In Abenberg aufgewachsen, habe sie Verbindung auch zum Rother Landkreis. Mit ihrer Vergangenheit wusste sie als ehemalige Demonstrantin gegen die WWA Wackersdorf zu punkten.

Wie die Kandidatin aus dem Nürnberger Land schoss sich auch Felix Erbe aus Hilpoltstein auf das Thema Klimawandel ein. Durch das derzeitige politische Tempo der Bundesregierung „vergeben wir große Chancen, in den nächsten Jahren das Ruder herumzureißen“, so der 34-Jährige. Deswegen seien die Grünen gefragt, „das Original“. Erbe: „Was bringt mir eine Schlagzeile von Markus Söder und seiner CSU zur Abschaffung von Verbrennungsmotoren, wenn dieselbe Partei gleichzeitig den Verkauf dieser Autos fördern will? Wie sollen Stromtrassen verhindert werden, wenn in Bayern der Ausbau erneuerbarer Energie erschwert oder gar verhindert wird?“

Der vor zehn Jahren von schwarz-gelb beschlossene Atomausstieg habe bei dem Grundschullehrer die Initialzündung zu parteipolitischem Engagement geliefert, sagte Erbe.

Geschickt, offen und mutig verquickte er seine eigene Person mit den Zielen, für die er sich im Bundestag einsetzen wolle. Als an Morbus Crohn Leidender sei es ihm ein Anliegen, sich für Inklusion im Parlament stark zu machen – ebenso wie für ein verbessertes Gesundheitssystem. „Als selbst queer lebender Mensch hatte ich das Glück, in einer Umgebung aufzuwachsen, in der ich angstfrei und ohne Probleme leben konnte. Ich weiß aber auch, dass dies vielen nicht möglich ist.“

Dass dies sich ändert – auch dafür steht Felix Erbe. Für eine bunte Gesellschaft einzutreten, bedeute zudem, „klare Position gegen rechte Meinungsmache zu beziehen“. Eine Aussage, die mit viel Beifall bedacht wurde. Als Gewählter will er Themen neu besetzen. Wie etwa den Katastrophenschutz, dem er sich als langjähriges THW-Mitglied verpflichtet fühlt. Denn hier würden die Auswirkungen des Klimawandels bekämpft, denen seitens seiner Partei genauso viel Aufmerksamkeit geschenkt werden solle wie den Ursachen.

Bei den gezogenen Fragen wollte es der Zufall, dass eine von beiden Bewerbern beantwortet werden sollte: Die nach einem Atomendlager in Bayern. Hufmann-Bisping gab fachlich zu bedenken, dass Salzstöcke dafür nicht geeignet seien, sondern eher Granit, wie er eben in Bayern vorkäme.

Erbe wählte die politische Variante: Die Grünen hätten lange für eine Kommission gekämpft, die nach geeigneten Örtlichkeiten sucht. „Jetzt gibt es sie! Nun müssen wir auch zugestehen, dass bei uns gesucht wird!“ Auf seine Schwächen angesprochen, entgegnete er, dass er sich oft zu viel sorge, „nur um nachher festzustellen, dass vieles besser läuft als man denkt. Das hoffe ich für heute auch!“ Eine Hoffnung, die an diesem Abend nicht trog.

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Foto: Jürgen Leykamm – Screenshots: Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung

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